Nun liegt die letzte Reise schon ein paar Wochen zurück, lange genug, dass die Eindrücke sacken und ich mir eine Meinung bilden konnte. Die Frage im letzten Blogeintrag war ja, ob mir Langzeitreisen gefallen würden . Und ich denke, die Reise war lange genug und hielt genügend unterschiedlichster Herausforderungen von Wetter bis Reparaturen bereit, dass sie wohl auch als exemplarisch gelten kann.

Veränderte Ausgangssituation
Die größte Veränderung war sicher, dass die Ausgangssituation jetzt eine andere war: Ich war nicht mehr (Urlaubs) Reisender, der von Höhepunkt zu Höhepunkt fuhr und in der Kürze der (Urlaubs) Zeit möglichst viel sehen und erleben wollte. Nein, plötzlich war praktisch unbegrenzt Zeit vorhanden und vor allem waren das Reisen und das Leben im Van nun Alltag. Es gab keinen Zeitdruck, es gab auch sonst nichts, was irgendeinen bestimmten Verlauf der Reise vorgegeben hätte. Das Einzige, was als bestimmende Größe im Raume stand, war, dass ich zum Ende der Reise hin meine Tochter in der Schweiz besuchen wollte.

Die Situation läßt sich wohl am besten mit „alles kann, nichts muss“ umschreiben. Doch das ist leichter gesagt als getan. Praktisch (s)ein ganzes Leben lang steckt man in irgendwelchen zeitlichen Korsetts, sei es Arbeit und abgezählte Urlaubstage, Schule und Ferienzeiten der Kinder und weitere Restriktionen mehr. Und richtet darauf natürlich sein Verhalten aus. Und das schüttelt man nicht so einfach ab.

Reiseroutinen
Ein anderes Reisemuster, welches tief in mir verankert zu sein scheint, ist, dass es irgendwie immer weitergehen muss. Ich halte es selten länger an einem Ort aus. Nach spätestens 2 Tagen werde ich unruhig und es zieht mich weiter. Dieses Verhalten passt gut zu einem begrenzten Zeitbudget. Wenn man aber Zeit ohne Ende hat, kann das auch anstrengend sein. Ich habe mich bewusst gezwungen, auf der Reise dann auch mal länger an einem Ort oder in der näheren Umgebung zu bleiben. Vielleicht hat das aber auch damit zu tun, dass ich eigentlich immer frei stehe und da passt es dann ja auch nicht so gut, wenn man sich irgendwo „häuslich einrichtet“.

Apropos Freistehen: Anders als man meinen könnte, bedeutete es gar keinen Stress, sich oft und regelmäßig neue Stellplätze zu suchen. Aber das veränderte sich eher positiv im Verlaufe der Reise. Am Anfang fuhr ich ja südwärts entlang der spanischen Mittelmeerküste. Da war es aber ziemlich voll mit Campern, die in Spanien überwinterten. Und da ich es nicht mag, mich in so große Ansammlungen einzureihen, war es dann doch ab und zu herausfordernd, küstennah einen Stellplatz zu finden. Die Situation wurde dann deutlich besser, als ich die Küste verließ und ins Binnenland abbog.

Alltag
Was für mich auch neu war, war der Umgang mit dem Thema Wäsche. Auf den früheren Reisen reichte die Wäsche eigentlich immer für die Zeit der Reise. Das ging jetzt natürlich nicht mehr. Am Anfang war es ungewohnt, später dann aber einfach nur Routine, irgendwo eine Waschgelegenheit zu suchen und die Wäsche unterwegs zu machen. Aber man muss sagen, in Spanien und Frankreich ist es aber auch ziemlich leicht, weil es eine gute entsprechende Infrastruktur gibt. Praktisch bei jedem größeren Einkaufszentrum / Supermarkt, gibt es öffentliche Waschmaschinen und Trockner. Das könnte aber in anderen Ländern schwieriger werden.

Was vielleicht problematisch sein könnte, ist, wenn man auf einer langen Reise im Ausland krank wird. Aber da mir das erspart geblieben ist, kann ich nicht einschätzen, wie sich das tatsächlich auswirkt. Anders ist es mit der Frage, ob es nicht langweilig oder auch einsam wird, wenn man einen so langen Zeitraum alleine unterwegs ist. Das kann ich ganz eindeutig mit „nein“ beantworten. Da ich ohnehin oft viel Zeit alleine bin und die Zeit mit Aktivitäten draußen verbringe, machte die Reise keinen Unterschied für mich. Allerdings bezieht sich das auf den Zeitraum von 3 Monaten. Wie das bei einem halben Jahr aussieht, werde ich beim nächsten Mal erfahren. Viel länger werde ich wohl nicht am Stück reisen, weil ich mir dann doch vorstellen könnte, dass sich das auch negativ auswirkt. Das war ja im Übrigen unter anderem ein Grund, warum ich mich dagegen entschieden hatte, die Panamerikana zu fahren.

Ein erstes Fazit
Alles andere, was auf einer längeren Reise mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auf einen zukommt (Schlechtwetterphasen, Autoreparaturen etc.), hatte keinen negativen Einfluss auf meine schlussendliche Bewertung. Im Ergebnis würde ich sagen, dass Langzeitreisen für mich ziemlich gut passen. Es gibt einfach so viel Schönes zu entdecken und zu sehen, dass die eine oder andere durch diesen Lebensstil bedingte Unannehmlichkeit mehr als aufgewogen wird.

Wer diese erste Reise nach Spanien und Frankreich mit meinen Erlebnissen und ganz vielen Bildern verfolgen möchte, kann dieses auf meinem Account bei Polarsteps tun, wo ich diese dokumentiert habe.
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